Beynac

Wohl niemand, der sich im Schwarzen Périgord aufhält, kann sich dieser Burg wirklich entziehen. Ungefähr 20 km südöstlich von Sarlat liegt sie im gleichnamigen Ort direkt an der D703, einer Landstraße, die sich dicht am Dordogne-Ufer entschlang schlängelt und einige der schönsten Dörfer und Sehenswürdigkeiten verbindet. Schon von weitem sichtbar, thront die Burg wie ein schweres Schiff aus Stein hoch über dem Dorf auf einem von der Erosion zerklüfteten Felsen. Als eine der schönsten Burgen Frankreichs dominiert sie zwar den Ort, doch der warm-goldene Schimmer der gelben Kalksteinmauern und die Spiegelungen des Dorfes im dunkelgrünen Wasser zaubern eine leichte und heitere Stimmung.

Beynac-Castelnaud

Blick von der gegenüberliegenden Burg Castelnaud auf die Burg Beynac.

Beynac punktet in touristischer Hinsicht gleich dreifach: sehenswert ist nicht nur die Burg, sondern auch der malerische Ort selbst und natürlich die idyllische Lage an der Dordogne. Kein Wunder also, dass Beynac als eines der schönsten Dörfer Frankreichs ausgezeichnet wurde. Direkt am Ufer befinden sich die (gebührenpflichtigen) Parkplätze, die zumindest in der Nebensaison weder überteuert noch überfüllt sind. Zwar kann man auch mit die Auto zur Burg hochfahren, doch dann verpasst man die Gelegenheit, durch die Gassen von Beynac hinauf zu schlendern. Direkt am Parkplatz findet sich auch ein Anleger der sog. Gabarres. Das sind die alte Dordogne-Frachtkäne, die früher Wein nach Bordeaux transportierten und mit denen heute die Besucher gemütlich über die Dordogne gefahren werden. Vielleicht gönnen Sie sich nach der Besichtigung der Burg noch eine kleine Fahrt.

Einst war Beynac neben Biron, Bourdeilles und Mareuil eine der vier Baronien des Périgord. Einer früheren Burgherren war Adhemar III, im Jahre 1147 machte er sich auf, um am Zweiten Kreuzzug teilzunehmen. Als er bei dieser Unternehmung starb, bemächtigte sich Richard Löwenherz als Herzog von Aquitanien und Lehnsherr von Beynac der Burg. Er gab sie seinem brutalen Söldnerführer Mercardier zum Lehen, dessen Mannen das Land in Angst und Schrecken versetzten und es im Auftrage Englands verwüsteten. Zu dieser Zeit nannte man die Burg unter der Bevölkerung sogar die "Arche Satans". Später, 1214 während der Albigenserkreuzzüge, wurde die Burg von Simon de Montfort geschleift. Da aber die Familie von Beynac unter dem Schutz des französischen Königs stand, gewährte Phillip der Schöne ihr die Burg weiterhin als Lehen. Daraufhin wurde der heute noch erhaltene Neubau der Burg geschaffen und im Jahr 1944 unter Denkmalschutz gestellt. Als berühmter Bürger Beynacs in heutiger Zeit gilt der Zeichner des Michelin-Männchens, O'Galop alias Marius Rossilon.

Impressionen aus Beynac

Praktische Infos über Beynac

Parkgebühren
Eintrittspreise Burg
Bootstour mit den Gabarres

Aufstieg zur Burg über den Caminal del Panieraires

Durch den hübschen, mittelalterlichen Ort führt ein steiler Weg hinauf zur Burg. Der vielleicht etwas mühsame Aufstieg (Dauer: ca. 15 Minuten) über diesen Caminal del Panieraires lohnt sich. Vorbei an mit Türmchen und Wappen geschmückten Häuschen, die vom Wohlstand Beynacs zur Zeit der Renaissance zeugen, schlängelt sich der Weg von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Kleine Plätze laden immer wieder dazu ein, über rote Ziegeldächer, ockerfarbene Mauern und blumengeschmückte Gärten die Aussicht auf die stetig und dunkelgrün dahinfließende Dordogne zu genießen. Im Hintergrund sind die Burgen Castelnaud, Fayrac, Les Milandes und Schloss Marqueyssac zu sehen. Der Weg ist selbst dem Grünen Michelin-Führer einen Stern wert. Irgendwann ist man dann oben angekommen und mit ihren imposanten doppelten Mauern beeindruckt die Burg in ihrer ganzen Größe. Vor der Burg gibt es zwei Restaurants und eine Bar, die vor der Besichtigung zu einer Erfrischung und hinterher zu einer kleinen Stärkung einladen.

Impression vom Aufstieg

Die Besichtigung der Burg

Nachdem man die Burg von Beynac durch das große Tor betreten hat, befindet man sich plötzlich im Mittelalter. Im unteren Hof bietet sich von einer Terrasse, die direkt am steil abfallenden Abhang liegt, ein einzigartiger Rundblick über das Tal der Dordogne mit den allgegenwärtigen Brücken und Burgen. Hier wird auch klar, warum die doppelte Befestigungsmauer nur zur Landseite hin nötig war. 150 m hoch überragt die Burg das Tal und der schroff abfallende Felsen verhinderte jeden Angriffsversuch.

Im oberen Hof weist ein Schild bei den Pferdeställen darauf hin, dass der Film "Jeanne d'Arc" von Luc Besson zum Teil hier gedreht worden ist. Die Burg ist in der Tat eine beliebte Filmkulisse für Mantel- und Degenfilme, und auch der Film "Die Besucher II" mit Jean Reno wurde zu großen Teilen hier gedreht.

Im Inneren der Burg gelangt man zunächst in den Waffensaal. Rostige Schwerter lehnen an dem massiven Holztisch, an den Wänden reihen sich die Kohlebecken, die früher zur Beheizung verwendet wurden. Von hier aus erreicht man über eine Wendeltreppe den Donjon, den Wohnturm, in dem weitere Räume aus dem 13. und 14. Jahrhundert entsprechend ihrer Zeit eingerichtet sind.

Schließlich betritt man den grossen Ständesaal mit seinem Spitztonnengewölbe. Hier fanden früher die Versammlungen der Edelleute der vier Baronien des Périgord statt. Neben dem Kamin sind die Standarten dieser adeligen Familien zu sehen. Von hier aus geht es in das oberste Stockwerk der Burg von Beynac: zu den Terrassen und Schlosstürmen. Eine großzügige, gerade Renaissancetreppe führt vom Ständesaal außerdem in den Innenhof der Burg. Hier sammelt sich das Regenwasser und speist die noch heute betriebenen Zisternen. Von diesem Innenhof wurden früher durch eine Türe die Pferde in den Waffensaal geführt.

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Beynac liegt hier

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Beynac liegt hier
44.840100, 1.143970

 

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