Monbazillac: Genuss aus Edelfäule

Der weiche, likörartige Monbazillac war früher der bekannteste Wein der Dordogne. Er war so berühmt, dass man sich folgende Anekdote erzählt: Einst pilgerte ein Bürger aus Bergerac nach Rom und erhielt eine Audienz beim Papst. Als der Bürger ihm vorgestellt wurde, antwortete der Papst mit einem Lächeln: "Ah! Bergerac, in der Nähe von Monbazillac!"

Nach den Hugenottenvertreibungen im 17. Jahrhundert siedelten sich viele von ihnen in den Niederlanden an. Daraus ergab sich ein florierender Weinhandel zwischen Bergerac und Holland. Nun "Muskatwein" genannt - nach der Rebsorte Muscadelle - kauften die Hugenotten ganze Jahrgänge dieses Weins auf. Nach einer längeren Produktivitätskrise wurde der Monbazillac erst vor gut zwanzig Jahren wiederentdeckt.

Die Entstehung des edlen Monbazillac beruht auf einem Zufall. Der Legende nach hatten die Mönche, die im Mittelalter mit dem Weinbau betraut waren, genug andere Aufgaben und vernachlässigten die Weinberge. Dies war die Gelegenheit für einen mikroskopisch kleinen Pilz namens Botrytis Cinerea, sich zu entwickeln.

Er siedelt sich auf Sébillon-Reben an, entzieht ihnen die Säure, erhöht gleichzeitig den Zuckergehalt und versetzt ihnen damit die begehrte Edelfäule. Das Ganze wird begünstigt durch einen besonderen klimatischen Effekt: im noch warmen Herbst gibt es schon Morgennebel, mittags brennt aber die Sonne. Die dadurch entstehende hohe Luftfeuchtigkeit ist eine ideale Lebensbedingung für diese Grauschimmelfäule. Die Lese der so "botrytisierten" Trauben ist sehr aufwändig und erfordert viel Handarbeit, denn es dürfen nur die überreifen Früchte geerntet werden.

Für den Monbazillac werden drei Rebsorten verwendet. Die Sémillon wird wegen der Edelfäule benötigt. Dadurch ergeben sich die subtilen Aromen. Zusätzlich gibt die Sauvignon Frische und Spannkraft. Schließlich rundet die Muscadelle das runde, geschmackvolle Aroma des Weins ab.

Der Süßwein Monbazillac wird oft mit dem Sauternes verglichen, der sich aus den gleichen Rebsorten zusammensetzt. Man kann ihn jung trinken, aber auch fast beliebig lange lagern. Das süße, vollmundige Aroma passt gut zu Enten- und Gänsegerichten. Monbazillac ist aber auch als Aperitif geeignet und lässt sich zu Dessert und Käse reichen

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