Der Feuillardier: Altes Handwerk für Bordeaux und Bergerac

In der 300-Seelen-Gemeinde Tamniés und dort im kleinen Weiler Le Petit Salignac ist nicht nur äußerlich die Zeit stehen geblieben. Zwischen Taubentürmen und Tabakscheunen wird in den alten ockerbraunen Gehöften noch traditionelles Handwerk wie im Mittelalter ausgeübt.

Guy Phélip steht im Halbdunkel seines Schuppens bis zu den Knöcheln in Kastanienspänen. An den Wänden lehnen üppige Bündel aus jungen Kastanientrieben, frisch und herb riecht es nach grüner Rinde. Guy kappt mit einem gebogenen Messer einen der Triebe auf die richtige Länge, spannt ihn auf einen derben Holzbock, spleisst ihn dann geschickt in zwei Hälften. Mit dem gleichen Messer wird der Stecken noch von Unebenheiten befreit und geglättet. Schließlich biegt er das weiche Holz zu einem Ring und bindet ihn mit Draht zusammen. Fertig ist ein – Fassreifen.

Guy Phelib zeigt einen fertigen Fassreifen

Ein Euro pro Reifen

Das traditionelle Handwerk hat Guy von seinem Vater gelernt. Alle notwendigen Gerätschaften sind selbstgebaut. Reich wird man mit solchen Fassreifen nicht. Die großen Kellereien in Bergerac und Bordeaux, die solche Reifen heute eher aus Prestigegründen und zur Dekoration einsetzen, zahlen für pro Reifen einen Euro. Doch im Südwesten Frankreichs zählt diese Kunst zum „Petit Patrimoine“, zum lokalen Kulturgut. Im Sommer finden sogar Vorführungen für Touristen statt und Guy zeigt dann seine Handwerkskunst in einer kleinen Hütte im botanischen Garten von Limeuil.

Überhaupt macht Guy seine Reifen am liebsten draußen in seiner Kastanienschonung am Waldrand. Aus den frischen Rinden, Blättern und Ästen hat er dort ganz traditionell einen Unterstand gezimmert. Er befindet sich direkt neben seiner alten Cabane. Diese runden Steinhütten findet man häufig im Périgord, sie boten früher den Schäfern und Landarbeitern Schutz.

Guys traditionelle Cabane

Der Beruf des Feuillardiers ist fast ausgestorben, aber nur fast. Nur 20 Kilometer von Tamniés entfernt findet sich in der Kantonshauptstadt Sarlat sogar ein kleiner Betrieb, in dem die Fassreifen maschinell hergestellt werden. Die Werkstatt des „Feuillardier Sarladais“ ist vollgestopft mit Fässern, Kastanienlatten, Reifen und Maschinen, an einem Balken hängt noch ein Kalender von 2005. Und trotz der maschinellen Unterstützung erfordert das Métier viel Muskelkraft und vor allem eines: Erfahrung und die Liebe zu den alten Traditionen.

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